Filmklasse

 

Montag | 18.05.2026 | 19:00 h

Kurzfilmprogramm: Das Filmarchiv im Archivfilm

(kuratiert und präsentiert von Maja Roth)

Das Archiv ist als Institution sowohl architektonischer Raum als auch eine Methode, die meist mit stofflich greifbarem Material operiert. Im Falle des Filmarchivs werden die analogen Trägermaterialien als 16mm- und 35mm-Filmrollen in Metall- oder Kunststoffdosen in gekühlten, verdunkelten Räumen aufbewahrt und damit ihrer Sichtbarkeit entzogen, aber auch auf lange Zeit gesichert und verwahrt. Archive können ein-, aus- und aufschließen; sie sind immer gleichzeitig Werkzeuge des Zeigens wie auch des Verbergens.
Die methodischen Sammlungs- und Ordnungspraktiken bilden ferner die Voraussetzung für eine Praxis, in der sich »Autorenschaft zu Forschungs-, Aneignungs- und Recyclingpraktiken wandelt« – ein Phänomen, das Catherine Russell als Archivfilm bezeichnet hat. Das Programm möchte dem Experimentalfilm als Archivfilm nachgehen und auf sein Verhältnis zum Filmarchiv befragen. (MR)

 

Filmprogramm (67 min)

Gustav Deutsch - FILM IST. [Folge 1, 2 und 8] (20:30 min | 2004 | AT)

Julie Buck & Karin Segal - Girls on Film (9 min | 2006 | US)

Siegfried A. Fruhauf - Blow-Up (1:30 min | 2000 | AT)

Arthur Lipsett - TRIP DOWN MEMORY LANE (12 min | 1966 | CA)

Arthur Lipsett - 21–87 (10 min | 1963 | CA)

Ernst Schmidt Jr. - Schnippschnapp (2 min | 1968 | AT)

Céline Berger - OVERWORK (11 min | 2025 | DE)

(Zu Gast am heutigen Abend: Die Filmemacherin Céline Berger)

 

Maja Roth ist Kunsthistorikerin, Medienwissenschaftlerin, Kritikerin und Kuratorin. Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medienwissenschaft der HBK mit dem Fokus auf Filmgeschichte und Medientheorie. Mitglied des Redaktionsteams der filmhistorischen Zeitschrift 'Filmblatt', die sich bislang vernachlässigten Aspekten, Themen und Genres des deutschsprachigen Filmerbes widmet,. Kuratorische Tätigkeiten u.a. für das Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums (DHM). Jurorin u.a. für den Experimentalfilm-Preis der deutschen Filmkritik sowie für das 38. European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück 2026.

 

Details

Gustav Deutsch - FILM IST. [Folge 1, 2 und 8] (20:30 min | 2004 | AT)
Film ist. besteht fast zur Gänze aus Ausschnitten existierender wissenschaftlicher Filme. (…) Film ist. versammelt solche Bilder in Hülle und Fülle. Man spürt hier nicht nur die Politik, sondern auch die besondere Poetik der Gattung wissenschaftlicher Film, die sich häufig "experimenteller" Gestaltungsmittel bedient: extreme Zeitlupe, extremer Zeitraffer, Lochung des Materials, teleskopische oder mikroskopische Kameraarbeit, Solarisierung, Belichtung durch Röntgenstrahlen. - Film ist. ist selbst ein poetischer Film. (Alexander Horwath) (sixpackfilm.com)

Julie Buck & Karin Segal - Girls on Film (9 min | 2006 | US)
Girls on Film is about 70 unknown movie stars. Despite appearing in countless films, they were never actually meant to be seen by the movie-going public. In fact, these women are so enigmatic that in most cases we do not even know their names. This film is a tribute to these forgotten women.
Officially known as color-timing control strips, these anonymous female film studio workers were affectionately dubbed "china girls" by the industry. The images in this show were meant only for use by the processing lab to match color tones in the associated film. Initially heavily scratched and faded, each images has been enlarged, restored and edited until these unknown and formerly unseen women resemble publicity snapshots of well-known film stars. (www.youtube.com; Julie Buck)

Siegfried A. Fruhauf - Blow-Up (1:30 min | 2000 | AT)
Als Blow-up bezeichnet man einen Kopiervorgang, bei dem ein Schmalfilmstreifen über eine Optik auf einen 35mm-Filmstreifen vergrößert (aufgeblasen) wird. Dieser häufig angewendete Prozess ist der Ausgangspunkt meiner Überlegungen. Gearbeitet wird mit gefundenem Material. Es zeigt einen Mann, der an einer weiblichen Puppe Mund-zu-Mundbeatmung demonstriert. Er drückt seine Lippen auf den Mund der Puppe und presst seinen Atem in die künstlichen Lungen seines Demonstrationsobjekts, wodurch sich die Kunststoffbrüste heben und wieder senken. Nun ist es natürlich naheliegend, diese Szene mit dem Begriff «Blow-up» in Verbindung zu bringen. Der filmische Körper, damit ist das Filmmaterial als Körper-an-sich gemeint, soll mit dem auf Film abgebildeten menschlichen Körper in Beziehung treten. (Siegfried A. Fruhauf) (sixpackfilm.com)

Arthur Lipsett - TRIP DOWN MEMORY LANE (12 min | 1966 | CA)
From Arthur Lipsett ('Very Nice, Very Nice' and '21-87'), another incisive short film that looks at human might, majesty and mayhem. Compiled from some peculiar newsreel items of the last 50 years, the filmmaker calls this a time capsule yet his arrangement of pictures makes it almost explosive. There are hundreds of items, once front-page stuff, but all wryly grotesque when seen in this reshuffle of the past. (www.nfb.ca)

Arthur Lipsett - 21–87 (10 min | 1963 | CA)
This short film from Arthur Lipsett is an abstract succession of unrelated views of the passing crowd. A commentary on a machine-dominated society, it is often cited as an influence on George Lucas's Star Wars and his conceptualization of "The Force." (www.nfb.ca)

Ernst Schmidt Jr. - Schnippschnapp (2 min | 1968 | AT)
Ein Film in zwei Teilen, wobei für den 1. Teil Aufnahmen mit ungeschnittenem 8mm-Film verwendet werden, wodurch bei der 16mm-Projektion ein 4-fach-Film zu sehen ist. Im 2. Teil erscheint der 16mm-Film ungeteilt, also mit einem viermal so großen Bild. Der Film wurde von mir nachträglich überzeichnet und auf verschiedene Art verfremdet. (E. S. jr.) (sixpackfilm.com)

Céline Berger - OVERWORK (11 min | 2025 | DE)
Der Found-Footage-Kurzfilm »OVERWORK« bietet eine persönliche Neuinterpretation einer Sammlung von 16mm-Lehrfilmen der Bundesagentur für Arbeit.



[ Abbildung oben: aus dem Film 'Blow-Up' (2000) von Siegfried A. Fruhauf ]