Mit einer Vorführung im Filmforum der HBK startet Susann Maria Hempels HandsOn-Workshop 'Verzicht Üben'. In mehreren Blöcken, verteilt über zwei Semester, wurden Polaroid-Sofortbilder verschiedenen Prozessen biochemischer Behandlungen ausgesetzt und die 'Entwicklung' der Bilder dokumentiert. Dabei entsteht ein sechsteiliger, kollektiver Episodenfilm, der letztlich auf geringst-verfügbare, filmische Produktionsmitteln basiert. (Im Folgenden berichtet die Künstlerin aus dem Werkstattkurs).
Vor dem Hintergrund der Allgegenwart ökologischer Katastrophenszenarien war es das Ziel des Kurses, einer filmischen „Kunst des Verzichts“ auf die Spur zu kommen. Auf theoretischer Ebene wurden Filme verschiedener Epochen und Genres gesichtet , für die die Reduktion filmischer Mittel signifikant ist; auf praktischer Ebene wurden Filmideen entworfen, die das „Weglassen“ filmischer Mittel unter zeitgenössischen Umständen erproben: nicht nur, um Ressourcen zu schonen, sondern auch, um die damit einhergehenden Einschränkungen als narratives Potenzial verstehen zu lernen.
Schnell entstand die Idee eines kollektiven Episodenfilms, der auf technischer Ebene mit minimalen Mitteln operiert. Grundlage dafür waren imaginäre „Krisenvorräte“ unverzichtbarer Dinge, die die Studierenden für einen ebenso imaginären, katastrophischen „Ernstfall“ angelegt haben. Diese unverzichtbaren, persönlichen Dinge wurden zu den „Bordmitteln“ des Films erklärt: i.W. eine Polaroidkamera und ein Walkman. So entsteht ein Film, dessen filmische Mittel auf radikale Weise reduziert sind.
Der Postproduktionsprozess wird als die eigentliche, experimentelle Phase der Produktion begriffen, in der das analoge Bild- und Tonmaterial zum Altern gebracht, chemisch zerschlissen oder physisch manipuliert werden kann. Dieser künstlich herbeigeführte „Alterungsprozess“ beabsichtigt die Erzeugung einer zeitlichen Uneindeutigkeit: denn vielleicht werden auch die Bilder eine Katastrophe zu überleben haben. Es sind Überreste aus einer Zeit, in der es noch möglich war, gedanklich mit der Apokalypse zu spielen.
[ Fotos: Andreas Metternich, Marie Walaszek ]